Corona-Krise und Zero Waste

Keine Macht den Hamsterkäufen – aber was können wir stattdessen tun?! Oder: Was hat der Zero Waste Lifestyle eigentlich mit der Corona-Krise zu tun?

31.03.2020, von miaray

Aktuell steht alles wegen der Corona-Krise Kopf: unsere Freizeit, das Sozialleben, die Arbeitswelt, die Wirtschaft. Aufgrund der Corona-Krise und den damit verbundenen Einschränkungen und Konsequenzen hat sich innerhalb weniger Wochen unser Leben in jedem Bereich extrem stark verändert. Und das zurecht, denn es sind Menschenleben in Gefahr, wenn wir die Auswirkungen der Pandemie einfach ignorieren.

Viele vergessen leider zwei wichtige Punkte:

  1. Jeder kann Überträger sein, auch wenn (noch) kaum Symptome aufgetreten sind.
  2. Jeder kann (schwer) erkranken. Nur weil statistisch betrachtet Risikogruppen stärker betroffen sind, bedeutet das nicht, dass z.B. nicht auch junge Menschen ohne Vorerkrankungen gefährdert wären.

Daher sollten wir alle Hygienevorschriften befolgen und möglichst wenig Situationen provozieren, in denen wir uns und/oder andere anstecken können. Nur so schaffen wir es gemeinsam durch die noch bevorstehenden Wochen, in denen uns die Corona-Krise sicher noch begleiten wird!

Aber was hat das mit Zero Waste zu tun?

Berechtigte Frage 🙂 In der Corona-Krise habe ich für mich einfach nochmal festgestellt, wie toll dieser Lebenstil eigentlich ist. Denn ich fühlte mich in vielerlei Hinsicht schon super vorbereitet auf eine Situation wie wir sie jetzt alle durchleben.

Wenn du zunächst einmal mehr über die Inhalte und den Zero Waste Lifestyle erfahren möchtest, schau doch mal bei meinem Artikel dazu vorbei!

Da wir ohnehin schon seit einiger Zeit darauf achten, alles irgendwie zu nutzen, wenig zu verschwenden und auf Unnötiges zu verzichten, kommen wir mit der zeitweisen Isolation bisher ganz gut zurecht.

Das hat mehrere Gründe.

Hier kommen einige Kernaspekte von Zero Waste, die uns jetzt zugute kommen

ohne Anspruch auf Vollständigkeit – wie immer 😉

Bewusst einkaufen!

Was brauchen wir wirklich? Und in welchen Mengen? Wir gehen nicht öfter einkaufen, als nötig, da wir nur das holen, was wir tatsächlich auch verbrauchen. Bedeutet natürlich, dass sich jeder mit seinem Verbrauch zunächst einmal auseinandersetzen sollte. Viel zu oft schleichen sich unbewusste Neigungen ein, denen man nur auf die Schliche kommt, in dem man sein Kaufverhalten gründlich durchleuchtet. Nicht das Angebot-Schild im Supermarkt bestimmt, was ich (in welcher Menge) kaufe, sondern meine Einkaufsliste! Und wo wir unsere Lebensmittel und Produkte kaufen, spielt auch eine Rolle.

Schätzen, was man hat!

Unser Konsumwahn lebt davon, dass wir immer wieder Neues oben reinschmeißen und weniger Neues hinten herauskommt und direkt auf den Müll geschmissen wird – egal, ob es noch funktionstüchtig ist, nur repariert werden müsste oder wirklich nicht mehr taugt. Und vieles, das wir heute kaufen, hat auch gar kein Durchhaltevermögen mehr, selbst wenn wir es wollten – länger als die Garantie oder zwei Waschgänge ist nicht mehr drin. Doch jetzt verändert sich die Lage: Nicht alles ist mehr unendlich verfügbar, da wir viele unserer Wegwerf-Produkte aus dem Ausland beziehen. Oder zumindest Bestandteile davon. Egal ob Kleidung, Nahrung oder Elektorartikel – produziert wird, wo es billig ist und wenig Auflagen existieren. Jetzt bekommen wir genau das zu spüren. Sogar Medikamente werden knapp, da die Wirkstoffe nicht mehr in Deutschland hergestellt werden. Und zukünftig werden voraussichtlich noch eine ganze Weile Dinge nicht mehr so schnell verfügbar sein – die Schließung vieler Geschäfte trägt natürlich ebenfalls dazu bei.

Im Sinne von Zero Waste achten wir darauf, dass wir uns Neuanschaffung gut überlegen. Brauche ich es wirklich? Kann ich mir vielleicht stattdessen etwas leihen? Oder kann ich etwas, dass ich bereits habe, für einen anderen Zweck benutzen? Wenn ich mir tatsächlich etwas kaufen muss, dann achte ich auf Qualität und Herkunft. Diejenigen, die es gemacht haben, sollen daran verdienen und einen fairen Lohn erhalten. Und ich möchte es lange benutzen können, weil es z.B. Ersatzteile gibt und aus guten Materialien besteht, die belastbar sind und wiederverwendet werden können. Plastik vermeide ich aus diesen Gründen – schaue doch für weitere Infos dazu gerne in meinen Artikel über Plastik rein :). Gute Beispiele sind hier der Rasierhobel (Rasierer und Klingen komplett aus Edelstahl, Klingen sind komplett wiederverwendbar und extrem günstig) und die Edelstahltrinkflasche. Etwas aufwändigere Recherche vorher und ggf. etwas höhere Anschaffungskosten, dass geben ich zu. Dafür jahrelang Ruhe und mein Geld habe ich verantwortungsvoll investiert. Und hey – die Produkte sehen oft auch richtig cool aus! Nix mit verstaubten Öko-Image 🙂 Das lohnt sich also für alle Seiten!

Das hält sich!

Man findet uns „Zero Wastler“ (:D) auch deshalb seltener in überfüllten Supermärkten, weil wir bewusst auf Lebensmittel zurückgreifen, die sich gut lagern und lange benutzen lassen. Z.B. getrocknete Linsen, Haferflocken oder spezielle Gemüsesorten (wie die riesige Superschmelzkohlrabi, die es bei unserem Biobauern gibt). Auch im Bad kommt uns das entgegen. Anstatt Shampoo oder Duschgel, benutzen wir feste Shampoobars und Seifen. Die halten länger, sind besser für die Umwelt und hautverträglicher, da sie auf unnötige Zusätze und Chemie verzichten. Wenn man sich damit beschäftigt, wird einem schnell klar, dass vieles, was wir in „Kosmetik“ oder „Pflegeprodukten“ finden, eigentlich Abfall oder Plastik ist. Gerade für eine tierleidfreie Lebensweise lohnt sich daher der Blick auf die Inhaltstoffe (hier geht´s zu einem Artikel für weitere Infos). „Aber das riecht doch so gut!“ bedeutet leider in nicht so seltenen Fällen auch „das löst Allergien aus“ oder „da sind Hühnerfüße drin“. Pfui…

Wusstest du, dass Männer- und Frauenhaut bzw. -haar gleiche Ansprüche haben? Pflegeprodukte müssen also gar nicht doppelt angeschafft werden – auch wenn uns die Werbung was anderes erzählt. Nur im Hinblick auf den Duft müsst ihr euch natürlich einigen 🙂

Haltbar gemacht!

Eingemachtes – Hach, da stehen wir einfach drauf 🙂 Ich esse im Sommer Obst, dass ich im Herbst selbst gepflückt habe – und umgekehrt. Meeeega! So kann ich saisonales Obst und Gemüse noch mit in die nächste Jahreszeit nehmen, ohne dass es in irgendwelchen Treibhäusern oder aufgrund von langen Transporten Unmengen an CO2 produziert. Wem Einmachgläser und/oder Fachkenntnis fehlen: Einfach Oma fragen! Denn vor einigen Jahren war es noch das Natürlichste auf der Welt, dass wir selbst für uns vorsorgen und nicht einfach davon ausgehen, zu jeder Jahreszeit jedes erdenkliche Lebensmittel in belieber Menge zu bekommen. Du kannst übrigens auch einfach Schraubgläser wiederverwenden. Einfach spülen und vor dem Befüllen desinfizieren, z.B. im Backofen oder mit kochendem Wasser.

Vieles kann z.B. auch einfach durch Trocknen haltbar gemacht werden. Zum Beispiel Orangenschalen (für Tee oder Sirup) oder Gewürze. Oder Lebensmittel werden fermentiert. Dazu gibt es im Internet zahlreiche Anleitungen, die alle darauf warten, ausprobiert zu werden!

Saisonal!

Und da wären wir auch schon beim nächsten Punkt. Es gibt tolle Saisonkalender, auf denen zu sehen ist, welches Obst und Gemüse zurzeit geerntet wird, weil diese Sorten mit der aktuellen Jahreszeit und Temperatur gut zurecht kommen. Somit können sie beim Bauern nebenan wachsen, was unnötige Transportwege und Lagerung spart. Und darüber hinaus wachsen sie dort ohne viel Einwirken durch beispielsweise zusätzliches Licht oder Wasser. Damit ist nicht nur die Ökobilanz besser, sondern auch der Geschmack!! Schade, dass sich viele scheuen, unbekanntere oder ältere Obst- oder Gemüsesorten zu probieren. Auch ein Salat ohne den Klimakiller Paprika schmeckt toll und kann, je nach Jahreszeit, immer etwas anders aussehen. Im Winter z.B. mit Winterpostelein und Spinat, aktuell hat Bärlauch Saison und im Frühbeet gibt es die ersten Salatköpfe und Radieschen zu bestaunen. Die Bauern geben in ihren Hofläden und auf den Märkten oft gerne Auskunft, inklusive Tipps für die Verarbeitung. Mehr Mut zu mehr Abwechslung auf den Tellern 🙂

Selbst anbauen!

Gärtnern macht sooo viel Spaß! Das kann ich einfach nicht oft genug wiederholen. Für die, die es nochmal lesen wollen, hier ist der passende Artikel dazu ;). Und geht auch im kleinsten Garten – und sogar ganz ohne. Microgreens brauchen nur eine Anzuchtschale, Sprossen nur ein Sprossenglas. Auch auf der Fensterbank kann jeder Kräuter wachsen lassen. Tomaten machen sich auf einem sonnigen Balkon genauso gut wie in einem gepflasterten Innenhof. Diejenigen, die große Ambitionen haben, können sich auch einen Kleingarten mieten oder ein Stück Feld. Alles ist möglich, keine Ausrede zählt 🙂

Pflanzkalender, Gartenjournal und Pflanzplan

Je mehr wir selbst anbauen und ernten, desto weniger muss ich logischerweise dazukaufen. Ich bin damit ein ganzes Stück unabhängiger vom großen Markt und lerne noch ganz nebenbei jede Menge über die Lebensmittel, die ich esse. Und kann dabei gleichzeitig gute Geschäftsmodelle unterstützen. Denn mein Gartenwerkzeug, meine Pflanztöpfe und mein Rankgitter sollen eine gute Qualität haben und lange halten. Und mein Saatgut und die Setzlinge sollten Bioqualität haben und nachbaufähig sein. Gerne pflanze ich auch unbekanntere und alte Sorten, die viele nicht kennen, aber unsere Insekten und Wildtiere lieben (und wir dementsprechend auch <3). Willst du Insekten in deinem Garten eine Freude machen, findest du übrigens hier die nötigen Tipps. Und wenn du einen Pflanzplan machen möchtest oder wissen willst, welche Gemüsesorten gut nebeneinander wachsen können, schaue doch mal hier nach.

Ein guter Nebeneffekt: Wer weiß, wie schwierig es ist, einen Apfelbaum zu schneiden oder Brokkoli anzubauen, der wird automatisch mehr für gutes Gemüse und Obst bezahlen wollen. Weil Qualität eben ihren Preis hat und Bauern, die ökologisch und nachhaltig vorgehen, von ihrer harten und extrem wichtigen Arbeit leben können sollten.

Bewusst lagern!

Wenn ich häufig zu meinen Lieblingslebensmitteln und -produkten greife, dann lohnt es sich, auch die optimalen Lagerbedingungen zu kennen. Unteres, mittleres oder oberes Fach im Kühlschrank? Keller oder Obstschale? Zitrusfrüchte mögen z.B. die Kälte im Kühlschrank überhaupt nicht und Möhren bleiben in ein Glas Wasser gestellt viel länger knackig und frisch. Keine Zauberkunst, nur gewusst, wie.

Auf die Menge kommt es an!

Die haltbaren Produkte, die wir dauerhaft brauchen, kaufen wir nach Möglichkeit in größeren Mengen ein, beispielsweise Waschmittel oder Essig – am liebsten direkt in einem Unverpackt-Laden, auf dem Wochenmarkt oder im kleinen Bauernladen direkt am Hof. Dort können wir genau die richtige Menge einkaufen, die wir brauchen. Hier mein Artikel, falls du wissen möchtest, wie das Einkaufen in einem Unverpackt-Laden funktioniert, inklusive Hinweis auf eine Deutschlandkarte, auf der alle Läden verzeichnet sind. Bestimmt gibt es auch in deiner Nähe einen! Auch Bauernläden sind keine Seltenheit mehr und sind überall zu finden. Sie sind eine tolle Möglichkeit für die Bauern, ihre Ware ohne Zwischenhändler und unnötige Lieferwege oder Verpackungen direkt an die Kunden zu verkaufen.

Durch sparen wir jede Menge Umverpackung und natürlich auch Gänge ins Geschäft. Aktuell sehen wir leider sehr häufig die extrem unkollegialen Hamsterkäufen. In Großmengen und vorausschauend zu kaufen, hat nichts damit zu tun, in Panikkäufen Regale leerzuräumen!! Jeder, der nach einem kommt (vllt. ein Kassierer oder eine Ärztin?), muss dann mit leeren Händen nach Hause gehen, während sich in meiner Abstellkammer ungenutzt Mehl und Toilettenpapier türmen. Im Supermarkt oder Krankenhaus wird auch nicht nur der bedient oder behandelt, der mit dem Kassierer oder der Ärztin verwandt oder befreundet ist. In so einer Welt, in der jeder nur für sich und seine Familie sorgt, würde kaum einer von uns leben wollen und können. Das sollten sich die „Hamster“ vor den Regalen bewusst machen.

Selbstgemacht!

Juhu – eine meiner Lieblingspunkte, weil es sooooo viel Spaß macht 🙂 Bevor ich lostigere und etwas kaufe, wie zum Beispiel Haushaltsreiniger, Mandelmilch oder Gesichtscreme, kann ich es auch einfach selbst herstellen. Schnell ins Internet geguckt und schon wieder etwas Neues gelernt. In der Regel ist meine erste Frage: „Häh, so einfach geht das??“ Gerade jetzt haben ja viele etwas mehr Zeit für kleinere oder größere DIY Projekte. Das sollte genutzt werden, denn es lohnt sich 🙂 Hier ein paar der Dinge, die wir nicht mehr kaufen müssen: Gemüsebrühe, Hautpeeling, Marzipan, Sirup, Badepralinen, besonderes Brot, Knuspermüsli, usw.

Ist denn wirklich alles schlecht im Moment?

Auch wenn es aktuell nicht immer danach ausschaut, so gibt es doch auch einige positive Entwicklungen, die wir uns immer wieder vor Augen halten sollten. Schon allein für unsere Psyche ist es wichtig, dass wir den Fokus nicht nur auf die Todes- und Krankheitsfälle und auf das richten, was gerade nicht mehr möglich ist. Es gibt auch gute und erstaunliche Entwicklungen, die ich mir vor einigen Wochen noch nicht habe vorstellen können. Und ich hoffe sehr, dass auch nach der Corona-Krise einige der aktuellen Veränderungen weiterbestehen! Denn dann hätte sich diese schwere Zeit in irgendeiner Form doch noch für uns alle gelohnt.

Das sollten wir auch nach der Corona-Krise beibehalten:

  • Bewussteres Konsumieren: Wir sollten Anschaffen, was wir wirklich brauchen und mit dem, was wir haben, fürsorglich umgehen – auch wenn es wieder überall verfügbar ist!
  • Genießen gemeinsamer Momenten: Zeit statt Zeug!
  • Stärkung der Unabhängigkeit von schädlichen/überflüssigen Produkten
  • Wertschätzung und Aufwertung „systemkritischer“ Berufe
  • Stärkung sozialer Netzwerke
  • Gegenseitige Hilfestellungen – mehr Gutmenschen 🙂
  • Schutz und Unterstützung älterer und/oder vorerkrankter Menschen – vor allem, wenn sie wenig Anbindung haben und oft alleine sind
  • Besinnung auf das, was uns wirklich glücklich macht und was wir tatsächlich brauchen
  • Ein Bewusstsein für die Verletzlichkeit unserer Gesellschaft und Komfortzonen
  • Die Erkenntnis, wie schnell Veränderungen und ein Umdenken doch möglich sind, wenn es erforderlich ist
  • die Schonung unserer Umwelt – weniger Fliegen, Auto fahren, Fast-fashion, usw.

In diesem Sinne…

haltet die Ohren steif und bleibt zuversichtlich!!

(„bleibt gesund“ wird aktuell ja so oft gebraucht und spare ich mir daher mal!!)

Ihr wollt euch weiter informieren, was euch noch durch die Corona-Krise helfen könnte? Diese beiden Klassiker sind immer eine Herzensempfehlung wert:

  • Bei Utopia gibt es jede Menge Tipps und unzählige Artikel in eigentlich allen denkbaren Themenbereichen wie Gesundheit, Ernährung, Mode oder Umweltschutz. Hier findet ihr zig DIY Projekte sowie Bewertungen und Berichte z.B. zu nachhaltigen (Online-)Läden. Einfach mal stöbern!
  • smarticular beschäftigt sich ebenfalls mit dem großen Thema nachhaltiger Lebensstil und speziell mit DIY Lösungen in sämtlichen Lebensbereichen. Keine Hefe mehr? Kein Problem, mach dir selber welche! Flecken gehen nicht raus? Hier hast du eine Anleitung, wie es mit einfach Haushaltsmitteln funktioniert. Auch die Gartenecke auf dem Blog ist sehr hilfreich und gut sortiert.

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