EU Entschluss Plastik adé

NEWS – EU-Parlament verbietet Einwegprodukte

24.10.2018, von miaray

Heute hat das EU-Parlament abgestimmt: Die ersten Einwegprodukte aus Plastik werden nun verboten!

Das Problem der Plastikflut hat so immense Ausmaße für Klima und Umwelt angenommen, dass nun auch von politischer Seite aus gehandelt wird. Gerade für die Produkte, die nur ein Mal benutzt, dafür in rauen Mängen verbraucht werden und für die es bereits Alternativen gibt, soll nun 2021 endlich Schluss sein.

Rotes Licht - Verbot von Plastikeinwegprodukten
Rotes Licht für Plastikeinwegprodukte

Welche Produkte sollen aussterben?

Plastikgeschirr und -teller:

Neben dem privaten Familienpicknick vor allem aufgrund von Großveranstaltungen ein Problem, denn hier sind wiederverwendbare Alternativen aufgrund der Wiederaufbereitung nicht immer eine umsetzbare Option. Ausweichen können die Veranstalter aber beispielsweise auf Einmalgeschirr aus Holz.

Plastikwattestäbchen:

Auch ein riesen Problem für unsere Wasseraufbereitungsanlagen! Viele entsorgen sie tatsächlich nach wie vor durch die Toilette. Aufgrund des geringen Gewichts schwimmen die Stäbchen an der Oberfläche und wegen ihrer Größe rutschen sie durch alle weiteren Filteranlagen durch. Am Ende landen sie dann in unseren Flüssen und Seen. Ausweichen kann man z.B. auf abbaubare Varianten aus Bambus.

Trinkhalme:

Hier kommt sicher eine immense Menge zusammen, bedenkt man, dass kein Eistee oder Cocktail ohne Trinkhalm serviert wird. Auch im privaten Gebrauch ist ihr klimaschädliches Image noch nicht spürbar angekommen. Genaue Zahlen zum Verbrauch dieser Einwegprodukte gibt es zwar nicht. Es gibt aber Schätzungen der Umweltschutzorganisation Seas at Risk, nach denen jedes Jahr ca. 36,4 Milliarden Einwegstrohhalme entsorgt werden. Das wären für jeden der 512 Millionen EU-Bürger 71 Stück pro Jahr. Und viel zu viele davon finden wir dann an unseren Stränden und Meeren wieder. Die Abschaffung wurde daher von vielen Seiten schon lange gefordert. Und seien wir mal ehrlich: Neben besseren Alternativen aus Papier oder (noch nachhaltiger da wiederverwendbar) Edelstahl lassen sich doch die meisten Getränke sehr wohl ganz ohne Trinkhalm genießen.

Rührstäbe für Heißgetränke aus Plastik:

Es gibt sie gemeinsam mit den Einwegbechern zu jedem Kaffee to go am Kiosk, Rastplatz oder in der Bäckerei dazu. Die Deutsche Umwelthilfte schätzt, dass in Deutschland stündlich ca. 320.000 Becher aus unterschiedlichsten Zusammensetzungen (Polystyrol, Kunststoffbeschichtungen, usw.) inklusive Plastikdeckel über die Ladentheke gehen. Und mit ihnen eben auch die kleinen Plastikrührer, ein weiteres Beispiel für überflüssige Einwegprodukte aus Plastik. Zur Herstellung dieser Wegwerfartikel wird neben Rohöl auch jede Menge Kunststoff benötigt. Denn Einwegbecher bestehen nicht nur aus Pappe, was die Aufbereitung nach der Entsorgung wesentlich erschwert. Die Mischung aus Plastik und hohe Temperaturen ist ohnehin bedenklich. Bessere Alternativen? Es gibt wunderschöne Edelstahlbecher, die in jeder Tasche Platz finden! Und seinen Kaffee kann man auch genießen, wenn man ihn nicht mit einem Stück Plastik sondern mit einem mitgebrachten Edelstahllöffel umgerührt hat. Wenn man gar nicht auf einen Löffelersatz verzichten will, tut es ganz sicher auch ein Stab aus Holz.

Dünne Plastiktüten:

Die typischen Tüten, die es an der Obst- und Gemüsetheke gibt. Und damit der Klassiker der Einwegprodukte aus Plastik. Einfach einen offenen Korb mit zum Einkauf nehmen und schon sind die Tüten überflüssig.

Luftballonhalterungen:

Sie sind für Wildtierfreunde, besonders aus Sicht der Vogelschützer, ohnehin ein Graus: Luftballons, in großen Mengen im Freien steigen gelassen, sind für viele dramatische und qualvolle Tode von Wildtieren verantwortlich. Die Tiere verfangen sich in Schnüren oder im Plastik und können sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien. Oder fressen gar den unverdaulichen Ballon und verschließen sich damit Speiseröhre oder Magen. Umso überflüssiger sind dann erst recht die Plastikhalterungen. Am sinnvollsten ist ein Verzicht auf beides.

Eine Todesfalle für Wildtiere: Heliumballons

Darüber hinaus sollen auch weitere Maßnahmen erfolgen. Noch nicht ersetzbare Einwegprodukte aus Plastik sollen reduziert, Plastikflaschen in allen EU-Ländern recycelt und Zigarettenfilter weitestgehend abgeschafft werden.

Und was bedeutet das nun?

Der EU-Beschluss ist sicherlich ein wichtiger Schritt in eine gute Richtung. Auch wenn es nur der erste Schritt sein kann. Aufgrund der Ausmaße des Verbrauchs ist wohl jedem klar, dass die handvoll Einwegprodukte, die (auch erst in zwei Jahren) verschwinden sollen, keine Kehrtwende in der Plastikproblematik bedeuten. Dafür ist das Thema viel zu vielschichtig und der Verbrauch an Plastik viel zu gewaltig.

Vielmehr ist es als Symbolentscheidung zu verstehen. Jeder Gutmensch sollte nun die vorsichtige Hoffnung haben, dass noch viele weitere solcher Entscheidungen getroffen werden, damit sich alle Beteiligten – Landesregierungen, Konsumenten wie auch die Unternehmen – in eine plastikfreiere Zukunft bewegen.

Und weiter geht´s! Hier gibt es weitere Infos zum Thema für Dich

  • Einen Überblick zu weiteren Details der neuen EU-Bestimmung zu Einwegprodukten findest Du bei Utopia.
  • Mehr Infos zur Trinkhalmdebatte? Auf der Homepage der Zeit findest Du einen passenden Artikel inklusive den Verweis auf ein äußerst schockierendes Video, dass die schrecklichen Auswirkungen des Mülls auf unsere Ozeane und Meerestiere zeigt.
  • Du kriegst nicht genug von Fakten über die so beliebten Kaffee to go Becher? Du möchtest in der nächsten Diskussion darüber, ob Pappbecher denn wirklich so schädlich sein können, mit starken Argumenten glänzen? Bitteschön: Die Deutsche Umwelthilfte hat Dir alle wichtigen Fakten zusammengestellt!
  • Der BUND hat einen kurzen Artikel zu Kaffee to go Alternativen verfasst.
  • Viel Aufklärung zur Ballonproblematik, Fotos der Folgen sowie gute Alternativen findest du auf der englisch sprachigen Seite von balloonsblow.
  • Du suchst weitere Alternativen zu Plastikprodukten? Dann stöbere in meinem Artikel über Zero Waste Anschaffungen, die sich für Dich lohnen könnten.
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