Plastik adé – vier Gründe, warum wir darauf verzichten sollten

15.01.2018, von miaray

Bevor ihr weiterlest, steht einmal vom Rechner auf bzw. legt euer Handy beiseite und geht in euer Badezimmer, schaut in die Schränke, auf die Ablagen, in Dusche oder Wanne … Und? Wieviel Plastik findet ihr?

Erschreckend, oder? Und das in einem der wichtigsten Räume unserer Wohnung: Alles kommt mit unserer Haut in Berührung! Und wir halten uns jeden Tag im Badezimmer auf …

Aber weshalb ist das überhaupt bedenklich?
Kunststoff ist praktisch: Es lässt sich leicht herstellen, in allen nur denkbare Formen bringen, es kommt in jeder Farbe vor, die man sich vorstellen kann, es wiegt wenig, ist preiswert und vermittelt häufig ein Versprechen zu Hygiene und Sicherheit – was will man mehr? Daher packen wir alles hinein: Gesichtscreme, Wasser, Medikamente, Joghurt, Olivenöl, Babynahrung und sogar Babypopos … die Liste ist unendlich lang. Und auch viele Alltagsgegenstände sind aus Plastik, vom Babyschnuller angefangen bis zum Armaturenbrett: Hier gibt es kaum Grenzen.
 Na und?

  1. Plastik reagiert mit seiner Umwelt! Plastik wird als Behältnis für allerlei Lebensmittel, Hygieneartikel,  Putzmittel und Getränke verwendet.
    Wasser aus PET Flaschen - nein danke!

    Wasser aus PET Flaschen – nein danke!

    Von den Gefahren der Weichmacher hat eigentlich jeder schon gehört. Die Auswirkungen auf den Körper sind bei Plastik noch relativ unbekannt. Doch immerhin ist klar, dass jeder von uns bereits Plastik in sich trägt. Weil es mit den Stoffen um sich herum reagiert. Eine PET Flasche, die Mineralwasser enthält, verliert nach und nach ihre Kohlensäure und auch der Wassergeschmack verändert sich. Die PET Flasche lässt nicht nur die Kohlensäure nach außen, sie gibt auch Stoffe in das Wasser ab, dass wir dann mit tiefen Zügen trinken. Genauso geht es mit allem, dass in Kunststoffen gelagert wird. Was viele nicht wissen: Auch Einmachgläser kommen leider nicht ganz ohne Plastik aus. Wer noch an der Reaktionsfreudigkeit von Kunststoff zweifelt, der muss nur mit seiner Nase nah genug an den Einmachglasdeckel herankommen. In einem Glas, in dem saure Gurken waren, wird niemand mehr Marmelade einfüllen. Den Geruch und die Geschmackstoffe hat die Kunststoffbeschichtung im Deckel nämlich fleißig gespeichert. Da hilft leider auch der Gang durch die Spülmaschine nichts.

  2. Die Rohstoffe und Ressourcen, die dafür verwendet werden, um Kunststoff herzustellen, gehen uns und den Generationen nach uns verloren. Deshalb ist es auch so eine große Bedrohung für uns und unsere Zukunft. Denn die PET Flasche, die ich inklusive zusätzlicher Plastikverpackung kaufe, würde bis zu 400 Jahre benötigen, bis sie zerfällen wäre. Unbegreifbar lange und das für einen Gegenstand, der innerhalb weniger Stunden seinen Funktion erfüllt hat! „Zerfall“ ist etwas ganz anderes, als „recyceln“. Anders, als der grüne Punkt und die Getränkeindustrie suggeriert, ist Plastik nicht recycelbar, dies würde nämlich bedeuten, dass es in seine Grundbestandteile zurückversetzt und die Rohstoffe wiederverwendet werden könnten. Dies ist bei Plastik aber leider nicht der Fall. Und wer hat in dieser rasanten Welt schon die Geduld, 400 Jahre darauf zu warten, bis sich die Verbindungen aufgelöst haben, um dann ja doch nichts mit dem Überbleibsel machen zu können?
  3. Wir alle haben es schon in uns! Es ist nicht recycelbar und ca. 1/3 des weltweiten Plastiks verschwindet auf mysteriösen Wegen irgendwo in der Weltgeschichte. Und taucht dann natürlich irgendwo auch wieder auf. In unserer Umwelt, vorwiegend im Meer, denn hier scheint es am meisten Platz dafür zu geben. Daher gibt es Plastikmüllinseln in den Meeren unserer Welt, die so groß sein sollen, wie Zentraleuropa. Und noch mehr Sorgen sollten wir uns um den Plastikmüll machen, der schon vor einiger Zeit ins Meer entsorgt wurde: Es lösen sich immer kleinere Bestandteile ab, die irgendwann so winzig sind, dass sie sogar von Plankton ( das Grundnahrungsmittel vieler Meeresbewohner) aufgenommen werden können. Sie durchdringen damit jedes Lebewesen und jeden Quadratmeter in unseren Meeren. Das Plastik, dass eure Großeltern in ihrer Jugend entsorgt haben, könnte daher noch in kleinsten Teilchen unterwegs sein. Denn es bleibt ewig erhalten! Übrigens gilt das auch für den Müll, den wir achtlos in die Natur um uns herumwerfen (Autobahnauffahrten sind ein Beispiel unserer „Wegwerfgesellschaft“, im wahrsten Sinne des Wortes). Die Natur gibt ihr Bestes und versucht, den Müll irgendwie zu benutzen, überwuchert ihn. Doch der Zigarettenfilter oder Coffe-to-go-Becherdeckel werden noch in zig Jahren zu finden sein. Und von ihnen gibt es leider mehr reichlich an unseren Straßenrändern!
    Noch ein Beispiel aus eurem Alltag gefällig? Solltet ihr Kleidung aus Fleece-Stoff besitzen: Bei jedem Waschgang lösen sich kleinste Mikroteilchen Plastik aus der Kleidung und landen im Abwasser. Leider sind sie so winzig, dass ein großer Teil von den Kläranlagen nicht herausgefiltert werden kann und somit wieder in den Flüssen, Seen und im Trinkwasser landen. Bisher gibt es von den Herstellern dieser Kleidung leider keine Reaktion auf diesen Missstand, die diesen Kreislauf verhindert, daher heißt es: Finger weg von Fleece-Stoffen!
  4. Aus den Augen, aus dem Sinn! Wenn ich Plastikmüll produziere, dann entsorge ich ihn als braver Bürger natürlich im gelben Müllsack . Ich stelle den Müllsack dann zwei Mal im Monat an die Straße und wenn ich von der Arbeit nach Hause komme – oh Wunder – ist der Sack verschwunden. Und ich habe das Gefühl, Verantwortung übernommen zu haben. Was damit dann passiert, bekomme ich nicht mehr mit. Aber da ich meinen Müll vorschriftlich trenne, wird es wohl schon gut sein, richtig?!
    1. Mehr als die Hälfte wird auf Müllverbrennungsanlagen entsorgt. Denn es ist schlichtweg günstiger, auch wenn es als Brennstoff wenig taugt und dabei meist sogar Sondermüll entsteht.
    2. Und natürlich ist auch die Müllentsorgung ein Geschäft – wer zahlt, bekommt den Zuschlag. Da hat Natur und Zukunftsdenken wenig Platz.
    3. Hinzu kommt: Je mehr Plastikarten in einer Verpackung Verwendung finden (zum Beispiel bei Chipstüten oder Zahnpastatuben), umso schwieriger und teurer wird eine andere Verwertung. Denn Plastik ist nicht gleich Plastik! Und selbst die PET Flaschen, die wir brav in den Supermarkt zurückbringen, begegnen uns nicht mehr als Flasche wieder. Denn dies wäre schlicht zu unhygienisch.
Leider nicht recyclebar: Plastikmüll

Leider nicht recyclebar: Plastikmüll

Genügend Gründe also, nach Alternativen Ausschau zu halten! Und hiervon gibt es reichlich, fängt man einmal an, auf sie zu achten.

Denn den Großteil der Menschheitsgeschichte sind wir ganz ohne dieses “Wundermittel” ausgekommen oder nicht?

Gibt es Ausnahmen, bei denen wir trotz allem Plastik brauchen?
Ja, finde ich schon. Im medizinischen Bereich, beispielsweise im OP, spielt Hygiene eine ganze andere Rolle, als vielleicht im eigenen Badezimmer. Mehrwegglasbehälter für Skalpelle kann ich mir da noch nicht so recht vorstellen. Sicher gibt es auch noch andere Gebiete. Aber ich bin mir sehr sicher, dass wir kreativ genug sind, im Laufe der Zeit Alternativen zu finden, die uns und die Generationen nach uns nicht belasten werden. Dies ist aber nur möglich, wenn wir überhaupt erkennen, dass wir dringend Alternativen brauchen! Ich bin ein Gutmensch, denke daher positiv und lade zum Mitmachen ein 🙂

Du fragst Dich, wie Du auf Plastik verzichten kannst? Dann schau Dir an, wie das im Büroalltag gelingen kann oder welche Zero Waste Anschaffungen sinnvoll sind!

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