Warum isst du denn kein Fleisch? - Die Fakten -

Warum isst Du denn kein Fleisch? – Die Fakten

22.08.2018, von miaray

Die Sonne scheint, die Abende sind lang und mild. Was passt da besser, als den Grill anzuschmeißen? Auch zu jeder anderen Jahreszeit ist Fleisch fester Bestandteil der deutschen Essenskultur: Lamm zu Ostern, Gans zu St. Martin, Wild zu Weihnachten. Ungeschlagen auf dem ersten Platz der deutschen Vorlieben liegt dabei nach wie vor laut statista auch 2017 wieder Schweinefleisch, gefolgt von Geflügelfleisch. Nur knapp dahinter liegt Rind- und Kalbsfleisch.

Drastischer ausgedrückt: Dies bedeutet laut der Albert Schweitzer Stiftung dass allein 2017 57,9 Millionen Schweine, 3,5 Mio. Rinder und sogar 600 Millionen Hühner ihr Leben lassen mussten. Unfassbar hohe Zahlen!

Die Zahl der Vegetarier und Veganer steigt stetig. Einen Artikel über die unterschiedlichen Formen von Vegetarismus findest Du hier. Viele Menschen sind der Meinung, dass Vegetarier hauptsächlich auf Fleisch verzichten, weil ihnen die Tiere so leid tun. Sicher ist das ein sehr wesentlicher Grund, aber noch lange nicht der einzige!

Je mehr ich mich mit dem Thema Ernährung beschäftigt habe, um so schockierter war ich. Vorweg: Es gibt in diesem Bereich keine guten Nachrichten (also falls du vorab eine kleine Gute-Laune Portion brauchst, schaue doch noch schnell bei meiner Glücktankstelle vorbei, bevor du weiterliest!). Das Wichtigste habe ich Dir mal zusammengefasst.

Warum Du auf Fleisch verzichten solltest:

  • Klar: wegen der Tiere! Sie empfinden Angst, Trauer und Schmerz aber auch Freude und den Wunsch nach frischer Luft und Platz genau wie wir (hier mal ein Beitrag der ARD über die außergewöhnliche Intelligenz von Schweinen). Falls du über gute Nerven verfügst: Es gibt zahlreiche Videos und Bilder, die einen Eindruck der Leiden vermitteln, die wir unseren sogenannten „Nutztieren“ zumuten, nur damit wir im Sommer jede Woche den Grill anschmeißen können. Hühnern werden die Schnäbel gekürzt, Schweinen die Ringelschwänzchen abgeschnitten und sie werden kastriert, alles ohne Betäubung oder Nachbehandlung. Über 90 % unserer späteren Würstchen leben so eng eingepfercht, dass sie sich nicht einmal umdrehen können. Viele der deutschen Rinder fristen ihr Dasein nach wie vor in Anbindehaltung. Das Sonnenlicht sehen sie zum ersten Mal, wenn sie mit dem Transporter zum Schlachthof unterwegs sind. Häufig kann man dann vom eigenen Auto aus beobachten, wie sie ihre Nasen durch die engen Schlitze drücken, nur um einmal frischen Wind zu riechen, anstatt den Ammoniakgestank in der künstlich beleuchteten Halle, in der sie ihr gesamtes Leben fristen mussten. Welchem Schwein oder Rind könnte ich vor der Schlachtung in die Augen sehen und sagen: „Dein Leben, deine Freiheit und all deine Bedürfnisse sind weniger wert als mein Appetit auf Fleisch“? Na eben!
Davon können die meisten deutschen Schweine nur träumen: frische Luft, jede Menge Platz, die Sonne wärmt die Schweineborsten und entspannte Sozialkontakte
Davon können die meisten Schweine nur träumen: frische Luft, Sonne, jede Menge Platz und entspannte Sozialkontakte
  • Unser Fleischkonsum zerstört unsere Umwelt, denn er produziert mehr klimaschädliches CO2 als man denkt (hierzu eine Übersicht des Umwelt Bundesamts). Vor allem die große Anzahl Rinder produziert jede Menge Methan und auch die entstehende Gülle, die zu häufig und in einem nicht mehr verträglichen Umfang auf die Felder ausgebracht wird, belastet Böden und Wasser vor allem mit Nitrat. Für die Futterpflanzen werden großen Waldflächen gerodetet und neben dem daraus entstehendem hohen Wasserverbrauch verschwendet Transport und Verarbeitung immense Mengen Energie. Wenn wir für alle Lebensmittel den Preis bezahlen müssten, den sie für unsere Umwelt bedeuten, wäre Fleisch im Vergleich zu Gemüse unbezahlbar (hier z.B. die Forderung vom Bundesumweltamt nach einer höheren Besteuerung von tierischen Lebensmitteln).
  • Fleisch zu essen ist natürlich? Niemand, der sich Bilder der „modernen“ hochtechnisierten Megamastanlagen und den überzüchteten Tieren anschaut, die kaum ihr eigenes Körpergewicht tragen können, kann das weiterhin behaupten …
  • Fleisch macht uns krank! Wir essen viel zu viel davon und man geht davon aus, dass der Fleischkosum eine der Ursachen unserer zahlreichen Zivilisationskrankheiten ist (Fettleibigkeit, verschiedene Krebsarten, Herzkranzgefäßen, usw.). Die Lebensmittelskandale führen uns immer wieder vor Augen, wohin der Weg geht, wenn wir Lebewesen als Fleischmaschinen ansehen und es wenigen Großkonzernen überlassen, uns damit möglichst billig und in Mengen zu versorgen. Und die Antibiotika und anderen Medikamente, die wir in rauen Mengen zusammen mit dem Fleisch aufnehmen, verschärfen die Gefahr für jeden noch.
  • Es geht ohne! Wir Menschen sind „Allesfresser“ und Fleisch kann ein (im geringen Maße) Bestandteil unserer Ernährung sein, muss es aber nicht. Also nutzen wir doch unsere Entscheidungsfreiheit!
  • Aber Bio Fleisch ist doch okay, oder? Leider ein Irrtum! Bio hat rein gar nichts mit artgerechter Haltung im Tierschutzsinne zu tun, sondern hauptsächlich mit ökologischen Aspekten (ein passender Artikel wird bald folgen). Sprich: Der Einsatz von z.B. Pestiziden bei Futterpflanzen ist stark reglementiert (daher auch der Preisunterschied). Schwein, Huhn oder Rind leben leider dennoch nicht in artgerechter Umgebung und enden auf den gleichen schrecklichen Tansporten und in den gleichen Schlachthäusern wie ihre Artgenossen aus konventioneller Haltung. Und klar ist natürlich: Auch Tiere aus Biohaltung müssen sterben, obwohl sie leben wollen. Oder überspitzter: Wenn ein Mensch getötet wird, ist es moralisch weniger falsch, nur weil er vorher ein gutes oder weniger leidvolles Leben hatte?
  • Ich sehe meinen Einkauf als Investition in die Bereiche, die ich unterstützenswert finde. Möchte ich Menschen dafür bezahlen, dass sie für mich Tiere qualvoll und unter lebensverachtenden Umständen halten, nur damit es am Ende einen elendig langen Transport voll Angst und Schmerzen hinter sich bringen muss, um dann getötet zu werden? Ich investiere lieber verantwortungsvoller!
  • Auch wenn ich der Meinung bin, dass wir als „Endverbraucher“ mit unserem Konsum wesentlicher weniger Einfluss haben, als uns Medien und Politik weiß machen möchten (denn wie soll ich mich als Kunde richtig entscheiden können, wenn es nicht einmal Auflagen zur korrekten Kennzeichnung von Lebensmitteln gibt?!): Es ist ein Statement für die richtige Sache, das ich mit jedem Einkauf abgeben kann und sollte!
Nicht mehr viel übrig – so enden die kurzen Leben der Mastschweine

Du möchtest tiefer in das Thema einsteigen oder hast ein gezieltes Anliegen? Dann hinterlasse mir gerne einen Kommentar!

Ansonsten hier ein paar weiterführende Links:

  • Der BUND hat einen Leitfaden herausgebracht, um Dich dabei zu unterstützen, wenn ein Megamastbetrieb in Deiner Umgebung gebaut werden soll. Natürlich findest Du auf der BUND Homepage auch viele weitere Infos zum Thema.
  • Du hast mitbekommen, wie (Nutz-)Tiere gequält werden? Der Deutsche Tierschutzbund zeigt Dir, was Du jetzt tun solltest, um dem Tier schnellstmöglich zu helfen.
  • Animals´Angels ist eine Organisation, die sich komplett aus der eigenen Komfortzone herausgewagt und dem (internationalem) Leid und der fehlenden Lobby von Nutztieren angenommen hat. Ihr Motto „Wir sind bei den Tieren“ ist Programm und verdient meinen höchsten Respekt, bei all dem Elend und der menschlichen Ignoranz, die sie täglich dokumentieren. Animals´Angels macht sich unter anderem dafür stark , dass die lebensverachtenden Langstreckentransporte von Nutztieren in der EU endlich verboten werden. Für viele ein unbekanntes und damit umso wichtigeres Thema!
Animals Angels dokumentiert die Langstreckentransporte europäischer "Nutztiere"
Quelle: https://www.animals-angels.de/projekte/europa/langstrecken-tiertransporte-eu.html
Animals´Angels dokumentiert die qualvollen Langstreckentransporte europäischer „Nutztiere“
Quelle: https://www.animals-angels.de/projekte/europa/langstrecken-tiertransporte-eu.html
Animals´Angels dokumentiert die qualvollen Langstreckentransporte europäischer „Nutztiere“
Quelle: https://www.animals-angels.de/projekte/europa/langstrecken-tiertransporte-eu.html
  • PETA Deutschland e.V. hat zusammen mit seinem amerikanischen Pendant über sechseinhalb Millionen Unterstützer und ist damit nach eigener Aussage die größte Tierrechtsorganisation weltweit. Neben der Aufklärungsarbeit ist PETA auch aufgrund seiner zumeist medienwirksamen Aktionen und konfrontativen Vorgehensweise bekannt (und z.T. umstritten). Wenn man sich das Bildmaterial dann ansieht, dass sie als Beweis an die Medien weiterreichen und das die schlimmen Zustände zeigt, von denen andere nur in der grauen Theorie sprechen, bin ich froh, dass sie nicht aufhören, die Menschen wachzurütteln. Auf der Homepage finden sich viele nützliche Tipps und Infos rund um den Tierschutz und für die nervlich starken Zuschauer auch reichlich Einblicke in die Realität unserer „Nutztiere“.
PETA Deutschland e.V. zeigt Bilder aus Mastanlagen. Quelle: Foto von PETA Deutschland e.V.  https://www.peta.de/Fleisch-kostet-Leben
PETA Deutschland e.V. zeigt Bilder aus Mastanlagen
Quelle: https://www.peta.de/Fleisch-kostet-Leben
PETA Deutschland e.V. zeigt Bilder aus Mastanlagen
Quelle: https://www.peta.de/Fleisch-kostet-Leben

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