Wirklich Bio - Was Du darüber wissen solltest

Wirklich Bio? – Was Du darüber wissen solltest

27.08.2018, von miaray

Bio-Lebensmittel, also Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft – immer mehr Menschen greifen danach, wenn sie die Wahl haben. In jedem Discounter werden mittlerweile Produkte mit dem Label „Bio“ angeboten. Ein regelrechter Boom – oder?

Leider nein. Das Thema „Bio“ wird vielfach diskutiert und ist in den Medien überpräsent. Ein Blick auf den Markt zeigt jedoch deutlich, dass die Kunden trotz Aufklärung und Lebensmittelskandale nach wie vor am liebsten zu sogenannten „konventionellen“ Varianten greifen. Laut foodwatch lag der Marktanteil von Bio-Produkten im Jahr 2015 bei gerade einmal 4,8 %. Zwar wächst dieser Anteil stetig weiter, dennoch sind wir weit davon entfernt, von einem „Boom“ zu sprechen.

Woran liegt das?

Gerade in Supermärkten liegen Bio-Obst und Bio-Eier neben den konventionellen Produkten. Der extreme Preisunterschied ist auf einem Blick zu sehen, was es vielen sicher sehr schwer macht, zur Bio Variante zu greifen, wenn der qualitative Unterschied nicht wirklich transparent ist.

Darüber hinaus sind die Unternehmen sehr clever: Konventionelle Verpackungen machen den Anschein, Bio zu enthalten, ohne das Bio auch wirklich drin steckt. Wohin der Kunde auch schaut, sieht er viel Grün, Wiesen, glückliche Tiere, urtümliche Bauernhöfe, Worte wie „natürlich“ oder „regional“ – all das findet sich in den Regalen. Ein möglichst wohlklingender Markenname tut sein Übriges dazu und schon freut sich der umweltbewusste Kunde. Und das, ohne dass irgendwo der geschützte „Bio“ Begriff verwendet werden musste. Und sicher gibt es viele, die sich über ihre Lebensmittel nach wie vor wenig Gedanken machen – gekauft wird, was schmeckt und billig ist. „Bio“ ist doch eher was für die Weltverbesserer und Blumenfreunde (sprich Gutmenschen (:) unter uns!

Doch was bedeutet denn nun „Bio“??

Viele von uns greifen jedoch vorbildich zu den Produkten mit Bio-Label inklusive dem Gewissensbonus, immer in dem Glauben, das Richtige zu tun. Doch ist das wirklich so? Folgende Kriterien müssen laut Wikipedia erfüllt sein, damit ein Produkt „Bio“ ( altgriechisch für „Leben“) ist:

  • Verzicht auf Gentechnik
  • Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, Kunstdünger oder Klärschlamm 
  • Artgerechte Tierhaltung gemäß EG-Öko-Verordnung, die unter anderem Mindestflächen und Zugang zu Freiflächen vorsieht
  • Verzicht auf Antibiotika und Wachstumshormone
  • Produkte wurden nicht ionisierend bestrahlt
  • Weniger Lebensmittelzusatzstoffe als bei konventionellen Produkten
  • Die Grenze von 5 % nicht ökologisch erzeugter enthaltener Zutaten darf nicht überschritten werden

Nur wenn alle Kriterien erfüllt sind und der Betrieb entsprechend geprüft und zertifiziert wurde, darf mit den seit 1993 geschützten Begriffen Bio-, Öko-, biologisch, ökologisch, kontrolliert ökologisch, kontrolliert biologisch, biologischer Landbau, ökologischer Landbau, biologisch-dynamisch und biologisch-organisch geworben werden.

Doch aufgepasst: Nicht geschützt sind die Begriffe Naturkost, kontrollierter Anbau und integrierter Pflanzenanbau. Sie klingen gut, haben aber keinerlei ökologischen Mehrwert. Ähnlich verwirrend ist die Bezeichnung aus regionalem Anbau. Hierfür gibt es ebenfalls keinerlei Vorgaben, auch wenn entsprechende Siegel etwas anderes vermuten lassen.

Aus Gutmensch Perspektive sind Bio-Lebensmittel in jedem Fall besser als konventionelle Produkte, keine Frage! Sowohl für Tiere und Umwelt, als auch für die eigene Gesundheit lohnt sich der Aufpreis. Denn der kommt aufgrund der aufwändigeren Anbau- und Haltungsbedingungen zustande. Aber auch weil konventionelle Betriebe die tatsächlichen Kosten von z.B. der Aufbereitung von nitratverseuchtem Grundwasser auf die Allgemeinheit abwälzen – der Steuerzahler trägt später die Last.

Und dennoch … In der Praxis macht es jedoch gerade für die „Nutztiere“ einen geringeren Unterschied als viele Kunden glauben. Von einer „artgerechten Haltung“ im Tierschutzsinn sind wir nach wie vor sehr weit entfernt. Falls Du das Thema Fleisch und Tierwohl weiter vertiefen möchtest empfehle ich Dir meinen Artikel „Warum isst Du denn kein Fleisch? — Die Fakten“.

Woran erkenne ich denn Bio-Produkte?

Bio-Produkte werden mit unterschiedlichen Siegeln gekennzeichnet.

  • Es gibt ein europäisches und ein deutsches Bio-Siegel. Beide beinhalten die gleichen oben aufgeführten Mindestanforderungen und werden aufgrund des Bekanntheitsgrades des deutschen Siegels meist in Kombination verwendet, obwohl nur das europäische Siegel verpflichtend ist. Neben einer umfangreichen Dokumentationspflicht sollen unterschiedliche Kontrollen die Einhaltung der Kriterien sicherstellen.
Seit 2010 verpflichtend:
Das Europäische Bio-Siegel
Das Ökolandbau Bio-Siegel ist seit 2001 in Verwendung.
Das Ökolandbau Bio-Siegel ist seit 2001 in Verwendung.
  • Deutsche Produktionsverbände haben eigene, zum Teil umfangreichere und strengere Bestimmungen. Deren Einhaltung wird mit dem jeweiligem Siegel ausgewiesen. Drei Verbände sind hier besonders bekannt und empfehlenswert, weil sie in einigen Aspekten wesentlich konsequenter sind und weniger Ausnahmen zulassen, als das Europäische Bio-Siegel: demeter, Naturland und Bioland.                  So ist demeter der einzige Verband, der die Enthornung – also das schmerzhafte Entfernen der Hörner bei Jungtieren mittels Ätzstift oder Brenneisen – bei Rindern, Schafen und Ziegen verbietet. Auch die Länge der zugelassenen Tiertransporte ist wesentlich geringer (max. 200 km) als bei dem deutschen bzw. europäischen Siegel (max. 6 Stunden). In einigen Bereichen jedoch, wie z.B. der vorgeschriebenen maximalen Tieranzahl pro ha oder der minimalen Flächenmaße, gibt es leider keine Unterschiede.
Produkte mit dem staatlichen Bio-Siegel von demeter unterliegen hohen Anforderungen und strengen Kontrollen
Naturland hat ähnlich strenge Richtlinien wie demeter
Bioland hat einen hohen Bekanntheitsgrad, seine Richtlinien sind denen von demeter oder Naturland sehr ähnlich

So lässt sich sicher sagen, dass Bio-Siegel ein Mindestmaß an Anforderungen sicherstellen, denen unsere Lebensmittel und deren Entstehung entsprechen sollten. Sobald ich mich mehr damit beschäftigt habe, war ich schockiert, wie viele Dinge es in der konventionellen Landwirtschaft gibt, die mir eine Gänsehaut bereiten (oder hast du schon einmal von einem sog. Kuhtrainer gehört?).

Schwierig wird es immer dann, wenn wir uns zu sehr auf solche Siegel verlassen und unser Gewissen damit stumm schalten. Uns sollten immer auch die Grenzen solcher Richtlinien klar sein. Tiere aus Bio-Haltung müssen noch lange nicht leidfrei und glücklich sein. Und eine Bio-Avocado aus Israel hat aufgrund ihrer Herkunft und des Wasserverbrauchs eine furchtbare Ökobilanz und sollte daher trotz Bio-Siegel gemieden werden.

Egal, wie gut ein Bio-Siegel ist: Es geht auch in der ökologischen Landwirtschaft immer noch um Geld und die Siegel sollten uns daher nie das Denken abnehmen.

Mehr Infos gewünscht?

  • Mehr Verbraucherinfos zum Bio-Siegel findest du in der Broschüre des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.
  • Du willst mehr über das Ernährungsverhalten der Deutschen erfahren? Die Bundesregierung hat 2017 einen Ernährungsreport veröffentlicht, der viele Fakten und Entwicklungen anschaulich darstellt.
  • Weitere lesenswerte Details in Bezug auf die Unterschiede zwischen den Verbandssiegeln bei den Richtlinien zur Tierhaltung findest Du auf utopia.
  • Auf der Homepage von demeter kannst Du alles zum Verband, den Auflagen und den Lebensmitteln inklusive passender Rezepte nachlesen.
  • Auch Naturland und Bioland haben eine umfangreiche Homepage.

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